Digitalisierung, Internetkompetenz der Politiker und die digitale Zukunft der Meinungswirtschaft

Der Blogger Hadmut Danisch macht sich in einem Blogartikel Gedanken über Digitalisierung, die Internet­kompetenz der Politiker und die digitale Zukunft der Meinungs­wirtschaft. Das betrifft auch WikiMANNia:

Zur Frage, ob und wie es unabhängige Medien und Blogs wie meines ab 2022 noch geben kann und wird.

Ich schiebe ja schon seit Jahren den Plan vor mir her, das Blog neu zu bauen und die darunterliegende Software WordPress zu ersetzen, weil mir WordPress strukturell, von der Implementierungs­qualität und Wartbarkeit enorm auf den Wecker geht. Außerdem stört mich daran die wandelnde Sicherheits­katastrophe PHP sehr, außerdem die Vermischung von Redaktions- und Publikations­system, und schließlich ist WordPress auch politisch instabil. Es ist eine Frage der Zeit, bis sie da Filter einbauen, die automatisch gendern, man WordPress für politisch unkorrekte Texte nicht mehr verwenden darf, oder man nachweisen muss, dass 50% der Autoren weiblich und 30% schwarze muslimische Lesben mit Unter­drückungs­erfahrung sind, denen ein Bein fehlt und die von Donald Trump beleidigt, von Harvey Weinstein vergewaltigt und von Derek Chauvin gewürgt worden sind.

Es ist weniger ein Problem der Implementierung, an der ich schon arbeite, als vielmehr des Konzeptes – zu wissen, was man will. Ich will auf jeden Fall eine Trennung von Redaktions- und Publikations­system, und weit mehr Seiten- und Daten­typen. Außerdem eine drastische Beschleunigung und bessere Wartbarkeit der Seiten-Templates. Außerdem ein verteiltes, redundantes System zu bauen.

Eigentlich hatte ich vor, noch im April oder Anfang Mai eine erste Testversion zum Laufen zu bringen. Wird aber wohl zumindest nicht so schnell was, denn ich habe gerade an einer Online-Veranstaltung eines Werbe­dienst­leisters teilgenommen. Ehrlich gesagt, ich habe nur die Hälfte oder weniger verstanden, weil die Leute aus der Werbebranche mit einer Unmenge von Abkürzungen und Kunst­begriffen um sich werfen, und man eigentlich nichts versteht, wenn man die Abkürzungen und Begriffe nicht kennt. Zumal sich auch bei denen ständig alles ändert und sie offenbar selbst nicht so genau wissen, was wird und wo es hingeht.

Aber: Es hörte sich sehr bedenklich an.

Es wird meines Erachtens zu einem massiven – politisch gewollten – Einbruch unabhängiger Medien, etwa von Blogs wie meinem, kommen. Dazu will ich spontan mal ein paar Worte sagen. Der Datenschutz verändert das World Wide Web gerade massiv. Und das nicht – nicht mal daten­schutz­mäßig – zum Besseren.

Datenschutz als politisches Werkzeug

Zunächst mal noch etwas voraus, was nicht in der Veranstaltung vorkam, sondern direkt von meinem eigenen Mist kommt.

Ich bin ja nun selbst seit inzwischen 13 Jahren auch haupt­beruflich – mal mehr, mal weniger intensiv – in Sachen Datenschutz unterwegs, habe in einer Rechts­abteilung gesessen, Auftrags­daten­verarbeitungs­verträge geschrieben, war Datenschutz­koordinator und so weiter.

Ich war lange, sehr lange vom Datenschutz überzeugt, bin es eigentlich immer noch, nur meine Meinung von Datenschützern stürzt rapide ab. So ähnlich wie bei Universitäten: Von Wissenschaft halte ich sehr viel, von Wissenschaftlern aber immer weniger und sie für immer korrupter.

Besonders mit dem Übergang vom alten BDSG zur DSGVO ging meines Erachtens ein massiver Qualitäts­sturz einher. Vielleicht gut gemeint, die DSGVO hat auch ein paar gute Punkte, aber insgesamt doch bis zur Funktions­unfähigkeit vermurkst. Als ich mich damals beruflich auf die Änderung zur DSGVO vorbereiten wollte, ist das schlicht gescheitert, weil zu viele Formulierungen unklar sind und selbst die Juristen und Datenschutz­beauftragten sagten, dass sie ja auch nicht wissen, was das jetzt bedeuten soll, und man abwarten müsse, was die Gerichte so draus machen. Wir sind hier aber nicht in Amerika, wo Gesetze so grobe Weg­deutungen sein sollen und dann die Gerichte das Präzedenz­fall­recht daraus machen – was dort insofern noch sehr entfernt demokratisch vertretbar ist, weil die dort gewählte und damit demokratisch legitimierte Richter und Staatsanwälte und zudem Jurys haben. Das haben wir in Europa nicht. Eine Verlagerung der Rechtsgrund­entscheidungen auf die Judikative ist in Europa schlichtweg eine Ent­demokratisierung und demokratisch verboten (vgl. Wesentlichkeits­theorie des Bundes­verfassungs­gerichts).

Wenn man dann noch sieht, was für extrem inkompetente Leute auf EU-Ebene das Recht machen – die Schweden sind ein nie versiegender Quell von so inkompetenten wie ideologisierten Gerechtigkeits­walküren, die Grünen machen auch viel und bewegen sich auf dem Niveau der Tele­tubbies, und die CDU stellt komplett kompetenzlose und hör­unfähige Leute mit Wundstarr­krampf­grinsen wie Axel Voss oder Ursula von der Leyen. Kurz: EU-Recht wird von korrupten Idioten gemacht, und die Hoffnung, dass viele Idioten in einen großen Topf zu werfen und umzurühren zu einem ausgewogenen Ergebnis führt, erfüllt sich nicht. Schon deshalb, weil die Hauptzutat die Juristen sind, und Juristen alles kaputtkriegen. Das Web hat 25 Jahre ganz wunderbar funktioniert, bis die mit der DSGVO ankamen. Seither kommt man auf manche ausländische Webseiten gar nicht mehr und ich tippe und wische mir die Finger wund und den Akku leer, um mich jeden Tag durch Hunderte Cookie- und Datenschutz­zustimmungen zu graben, die garantiert kein Mensch mehr liest. Das ist so wirklich total vermurkst, weil das Prinzip der Politik ist, das Recht, Gesetz, Politik wirklich nur von solchen Leuten gemacht werden darf, die politisch auf Linie sind und von der Sache keine Ahnung haben, damit Sachkunde dem politischen Willen nicht im Wege steht. So wie damals schon Ursula von der Leyen mit ihrer Kinder­porno­sperre, die wirklich gar nichts verstanden hatte, DNS von Webseiten nicht unterscheiden konnte, Internet-Provider für eine Art Webseiten­broker à la BTX hielt, doof wie ein Kaktus und ebenso unbelehrbar, sich aber vor den Bundestag stellte und kündete, es sei eben „ihr politischer Wille“ und jeder „krachend unfähig“, der ihr nicht liefere, was sie wünsche.

Die Unfähigkeit von der Leyen ist das eine.

Die Unfähigkeit eines Bundestages aus hunderten hochbezahlter Pfeifen, die der sowas einfach so durchgehen ließen, ein anderes.

Die Gesetzgeber sind die Parlamente. Die Parlamente bestehen aus Fraktionen. Die Fraktionen sind aus den Parteien gemacht. Und Parteien sind Koagulationen der dümmsten, faulsten, unfähigsten und korruptesten Leute, die man auftreiben kann. Wisst Ihr, wo ich in den letzten 10 Jahren auf die dümmsten und durch­geknalltesten Leute getroffen bin? Journalisten­konferenzen, Partei­veranstaltungen, Parlamente.

Oder wie ich gerade als neuen Blog-Refrain schuf: Zu wissen, was man tut, ist doch nur hinderlich dabei, zu tun, was man will.

Und mir fällt seit einiger Zeit, besonders etwa seit dem Wechsel vom BDSG zur DSGVO auf, dass der Datenschutz – wie inzwischen eigentlich jedes Gesetz einschließlich Grundgesetz – nur noch zum Kampf Staat gegen Bürger missbraucht wird. Man hat eigentlich überhaupt keine Rechte mehr. Gesetze dienen nur noch dazu, die Staats­willkür gegen den Bürger durchzusetzen. Der Bürger hat plötzlich keine Grundrechte mehr gegen den Staat, sondern alles wird so umformuliert, dass der Staat nunmehr Rechte gegen den Bürger hat (weil er ja irgendjemand anderes Grundrechte durchsetzen müsse).

Beispiel Impressumspflicht. Neulich regte man sich quer durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf, dass irgendwelche Rechten die Privat­anschrift irgendeiner Schwarzen, die sich in die Öffentlichkeit drängt, publiziert hätten. Hallo!? Von mir (und der übrigens auch) verlangt das Gesetz, dass ich meine ladungs­fähige Anschrift, also meine Privat­adresse, in mein Impressum schreibe. Seltsamerweise aber wird diese Impressums­pflicht für Linke nicht mehr umgesetzt. Es gibt reihenweise Webseiten von politisch Korrekten und Journalisten, die keine ladungs­fähige Anschrift im Impressum haben, aber die Landes­medien­anstalten, die eigentlich die Rechts­aufsicht haben, machen nichts mehr dagegen. Was meint Ihr, was für ein Theater losbrechen würde, wenn ich meine Anschrift nicht mehr im Impressum hätte?

Wir haben hier längst völlig einseitige Rechts­anwendungen. Recht nur noch als Hebel politischer Willkür. Möglichst streng, möglichst gängelhaft und schikanös, um dann politisch nur in einer Richtung angewandt zu werden.

Und genau das beobachte ich längst beim Datenschutz. Der Datenschutz ist längst politisch völlig korrupt und zum Missbrauchsinstrument geworden.

Erst vor ein paar Wochen habe ich aus Kreisen betrieblicher Datenschützer erfahren, dass man mit äußerster Dringlichkeit darauf zu achten habe, dass in Adress­eingabe­feldern – etwa auf Webseiten – und den Datenbanken zu achten habe, dass da als Geschlecht nicht nur „Herr“ oder „Frau“ stehe, sondern mindestens eine dritte Auswahl­möglichkeit bestehe. Weil man nämlich, so die datenschutz­rechtliche Argumentation, unrichtige personen­bezogene Daten speichere, wenn da in der Datenbank Herr oder Frau stehe, das Betreffende und Beschwerende sich aber heute für ein Telefon halte. Da würden inzwischen harte Strafen verhängt. Und die neue DSGVO ermöglicht richtig große Strafen. Das geht dann gleich in die richtigen Compliance-Verstöße.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich in einer Angelegenheit, die ich im Blog noch nicht beschrieben habe, was eher ein Buch wird, grobe Datenschutz­verstöße entdeckt und Beschwerde erhoben, weil man in großem Umfang bei Flüchtlingen, die keine Ausweis­papiere vorlegen (wollen oder können), und kein Geburts­datum nennen (wollen oder können), einfach den 1.1. und eine geschätzte Jahreszahl einträgt. Das führte ja in Berlin schon zu massiven Probleme, weil man dachte, dass man die Arbeitslast der Erfassung einfach auf 12 Bezirke verteilen kann, indem man jeden Bezirk für einen Geburtsmonat zuständig erklärt, und dann – weiß nicht mehr – ein oder zwei Drittel der Flüchtlinge vor dem Amt standen, das für den Januar zuständig war, weil sie alle als Geburts­datum den 1.1. im Flüchtlings­ausweis stehen hatten.

Dagegen hatte ich Beschwerde erhoben, weil das im daten­schutz­rechtlichen Sinne eine Speicherung falscher Daten war. Und die – das würde hier zu weit führen – auch nie überprüft werden, weil jede Behörde annimmt, dass es die andere prüft und am Ende gar nichts geprüft ist – und es nicht mal beim Betroffenen selbst erhoben wurde, also gar nicht gespeichert werden darf. Eigentlich dürfte bei solchen Flüchtlingen gar kein Geburts­datum oder „unbekannt“ oder eben „Geschätzt Jahr x“ gespeichert werden, aber nicht pro Forma ein falsches Geburts­datum. Das aber kriegen sie nicht nur von der Software nicht hin, es wäre auch politisch unerträglich. Denn wie wollte man denn beispielsweise Einschulungs- oder Renten­bescheide oder auch Führer­scheine an Leute mit Geburts­datum „unbekannt“ verschicken oder Einladungen zur Corona-Impfungen? Während Politiker gerade fordern, das Rentenalter auf 69 raufzusetzen?

Eigentlich hätten nach meinem Hinweis die Daten­schutz­behörden Feuer schreien und die Löschung unrichtiger Daten durchsetzen müssen (mit entsprechender Handlungs­zwang­konsequenz für die Politik). Außer, dass man mir bestätigte, dass da unrichtige Daten gespeichert werden, passierte aber gar nichts.

Wenn aber in einer Kunden­daten­bank irgendeines kleinen Ladens nur „Herr“ oder „Frau“ als Geschlecht stehen kann, dann schicken sie das Exekutions­kommando.

Dazu kommt, dass ja immer deutlicher zu sehen ist, dass die Posten der Datenschutz­beauftragten mit politisch folgsamen und korrekten Leuten und Partei­gängern besetzt sind.

Ich halte im Datenschutz heute vieles – gesetz­geberisch wie behördlich – für politisch instrumentalisiert und gesteuert. Und vieles für richtig schlecht.

Der Google-Weg

Eigentlich war ich ja der Meinung (oder bin es immer noch), dass der Juristen- und Daten­schützer­weg, auf jeder Webseite ein Einverständnis zu fordern, um ein Cookie zu speichern, nicht nur für im Ergebnis vermurkst, weil das Web faktisch nicht mehr brauchbar ist (ich betreibe meine morgendliche Presse-/Medien­schau mit einem Android-Tablet), weil man nicht mehr flüssig arbeiten und mitunter den Button zum Wegklicken gar nicht mehr erreichen kann.

Zudem beruht es auf einem fundamentalen Verständnis­fehler. Juristen tun immer so, als sei es der Webseiten­anbieter, der ein Cookie speichert. Das tut er aber nicht. Das Cookie speichert der Browser und der steht unter der Kontrolle des Benutzers. Es ist juristisch völlig blödsinnig, jemand anderem eine Zustimmungs­erklärung dafür zu geben oder geben zu müssen, was man selbst macht. Entweder haben sie das technisch überhaupt nicht verstanden, oder es steckt wieder diese links-feministisch-weibliche Denkweise dahinter, dass man niemals, unter keinen Umständen, für seine eigenen Handlungen verantwortlich sein darf, sondern für alles, was sich später mal irgendwie als nachteilig heraus­stellen könnte, ob nun Beischlaf, Berufswahl oder Cookie, jemand anderes verantwortlich sein müsse, den man dann beschimpfen und beschuldigen kann, wenn die eigene Entscheidung nicht gut war.

Sowas passt aber auch den Juristen nicht, denn an Eigen­verantwortung verdienen die nichts, und wir haben viel zu viele Juristen, die irgendwie ernährt werden müssen. Also schafft man künstlich ein Juristen­biotop, in dem es immer darum geht, irgendwen anderes zu verklagen und zur Unterlassung aufzufordern, weil daran dann im Falle der Abmahnung ein und günstigsten­falls ein paar Richter und zwei oder mehr Anwälte verdienen. Klingt ja auch nicht gut, dem Mandanten zu sagen „Blödmann, selbst schuld!“. Ein kerniges „den verklagen wir“ oder „wir mahnen ihn ab“ hört sich nicht nur viel durch­setzungs­fähiger an, sondern macht sich auch auf der Kostennote viel besser. Denn Recht ist im Land der Schwemme arbeitsloser Geistes­wissen­schaftler längst das, wovon am meisten Juristen leben können, und das heißt eben immer, dass jemand anderes verantwortlich und somit zur Unterlassung aufzufordern und zu verklagen ist. Technische Details, wie dass der Daten­betroffene das Cookie selbst und nicht etwa der Webseiten­betreiber speichert, interessieren da nicht mehr.

Ich erläutere das immer gerne mit dem Beispiel von der Brücke.

Wenn man von der Brücke springt, ist man tot.

Ein normal begabter Mensch würde also sagen, wenn Du nicht sterben willst, dann spring halt nicht von der Brücke. Lass es bleiben und gut ist es.

Ein Jurist der Gattung Webseiten-Datenschützer ist aber einer, der meint, dass man dem Tod nur entgehen könne, indem man dem nächst­besten Menschen, den man trifft, kein Einverständnis dafür gibt, dass man selbst von der Brücke springt. Und den dann auf Unterlassung verklagt, wenn man selbst trotzdem springt.

Nun kommen Google mit seinem Google Chrome und andere Browser­hersteller daher und machen genau das, was ich eigentlich schon vor Jahren im Blog geschrieben und gefordert habe, nämlich dass man eigen­verantwortlich ist und Cookies, die einem nicht passen, einfach nicht speichert.

Man also einfach nicht von der Brücke springt.

Google hat angekündigt, und wenn ich den Vortrag richtig in Erinnerung habe, auch irgendwelche anderen Browser­hersteller, ab 2022 keine „Third-Party-Cookies“ mehr zu speichern.

Eigentlich eine sehr gute und sehr naheliegende Idee.

Das heißt, dass wenn man auf die Webseite aaa.com geht, man noch Cookies für a.com bekommen kann, die der Browser (je nach Einstellung) noch speichert, weil man ja auch bewusst und gewollt auf die Seite a.com gegangen ist, aber nicht mehr die Cookies, die der Server b.com setzen will, weil auf der Webseite etwa Werbe­graphiken von b.com eingeblendet sind, und man als Mensch ja so direkt nicht sehen oder handeln kann, dass man auch Inhalt von b.com holt.

Eigentlich eine sehr sinnvolle und natürliche Angelegenheit, die schon längst hätte eingeführt werden müssen, weil sie dem intuitiven und gewollten Verlauf entspricht.

Aber, ach.

Damit bricht die Werbeindustrie, wie wir sie bisher kennen, weitgehend ein. Denn es wird schon sehr wenig für Werbung bezahlt (Leute glauben immer, man würde da reich und sie würden mir was Gutes tun, wenn sie eine Webseite dreimal anklicken, aber de facto kommen da für Tausend Klicks nur ein paar Cent zusammen, und eine Webseite wie meine trägt sich auch nur, wenn da wirklich sehr viele Leser drauf kommen. Man braucht schon jeden Tag sechs­stellige Leser­zahlen, damit es so brummt, dass es zum Essen reicht. (Habe ich.)

Die Werbetreibenden zahlen solche Beträge aber auch nur, wenn die Werbung personalisiert ist. Man hinterlässt Datenspuren und es passiert einem ja auch immer wieder, dass man auf einer Webseite war und dann tagelang überall Werbung für den Hersteller sieht. Ist mir auch schon passiert, ich stand in einem Vortrag vor versammelten Leuten mit dem Rechner am Beamer, musste dann unerwartet was auf einer Webseite anzeigen – und alles voller Werbung für Kamera­objektive. Puuh, dachte ich, was bin ich froh, dass ich gestern Abend nach Kamera­objektiven und nicht nach Dildos geguckt hatte.

Für eine nicht-personalisierte Werbung wird deutlich weniger bezahlt.

Nun, so ist die Befürchtung, dass man Blogs – etwa wie meines – die nicht gerade eine weltweite Spitzen­verbreitung haben, dann nicht mehr wird betriebs­wirtschaftlich betreiben können. Irgend wovon muss der Blogger ja auch leben.

(Was, was ich als Verdacht hege, auch eine politische Absicht dahinter ist.)

Also überlegt man sich, wie man das mit der Werbung und der Finanzierung der Publisher künftig bewerk­stelligen könnte.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das vollständig erfasst und ganz verstanden habe.

Ein Modell läuft darauf hinaus, dass man künftig die Besucher einer Webseite nicht mehr über Third-Party-Cookies trackt, sondern über First-Party-Identifikation. Dass also der Webseiten­betreiber selbst die Benutzer identifizieren soll. Wie genau, das ist nicht näher gesagt, aber es läuft auf ein Abo-Modell und einen Login hinaus. Man wird sich also künftig anmelden (und das mit Höchstdauer) mindestens einmal pro Monat auf einer Webseite neu einloggen müssen, damit der Webseiten­betreiber erfassen und an die Werbe­branche weitergeben kann, dass das jetzt der Benutzer x ist. Was dann auch daten­schutz­rechtlich toll wäre, weil der Benutzer x dazu dann sein Einverständnis geben müsste und gegeben hat, dass er beim Besuch der Webseite Werbung bekommt und deshalb seine Identität an die Werbe­industrie durchgereicht wird.

Prima Methode, um Blogs totzukriegen. Denn wer würde den Aufwand noch betreiben?

Zumal Blogs wie meines zwar eine harte Stamm­leser­schaft haben, aber eben auch davon leben, dass man sie per Suchmaschine zu einem Thema findet oder irgendwo irgendwer darauf verweist, in Mails, Foren, Notizen und so weiter. Und das ist dann alles weg, denn wer macht das schon, wenn man sich künftig überall anmelden und einloggen muss?

Das Problem daran: Dann speichert man wirklich personen­bezogene Daten und unterliegt dann wirklich den ganzen Daten­schutz­pflichten, Löschen, Sperren, Auskunft, Verfahrens­verzeichnis, Risiko­abschätzung blablabla. Das können sich Einzel­kämpfer wie ich dann auch vom Aufwand nicht mehr leisten und es steht dann auch in keinem Verhältnis zu den dann viel niedrigeren Einnahmen mehr.

FLoC

Google nun hat wohl etwas anderes vor und versucht, das als Quasi-Welt­monopolist der Online-Werbung durchzusetzen.

Kennt Ihr FLoC?

Ich bis eben auch nicht.

Steht für Federated Learning of Cohortes.

Ich habe es noch nicht verstanden, aber so weit ich es verstanden habe, geht es darum, Webseiten­kunden nicht mehr einzeln zu tracken, sondern zu „Kohorten“ gleicher Interessen bis zu einer Größe von 5000 Personen zusammen­zu­fassen.

Ich habe es noch nicht verstanden, aber ich stelle mir das jetzt, so wie ich es verstanden habe, so vor, dass wenn ich dann auf eine Webseite gehe, es nicht mehr heißt „das ist der Danisch, zeige dem mal neue Kamera­objektive“, sondern „da kommt einer aus der Gruppe von 5000 weißen Männern Mitte 50, die sich für Computer, Kamera­objektive und Reisen interessieren, aber nie nach Tampons und Zigaretten schauen“.

Ist mir nicht so geheuer, auch wenn sich das dann irgendwie pseudo-anonymisiert anhört, weil man mir dann sicherlich auch höhere Preise anbietet oder wenn ich auf eine Partei-Webseite gehe, ein anderes politisches Programm als einer Feministin. Und was mache ich, wenn ich durch irgendeinen Fehler in der Kohorte schwuler feministischer Marxisten mit Master in Soziologie und Vorliebe für Haschisch lande? (Von der Brücke springen?) Mir ist noch nicht klar, wie man dann in diese Kohorten eingeteilt wird, aber mir ist irgendwie so, als würde auch das voraussetzen, dass man sich an der Webseite anmelden muss und die Webseite das dann weiter­melden muss. Also so „Hör mal, Google, der, der hier gerade meine Webseite liest, der hat sich als Fritze Meier mit der Mailadresse sowieso angemeldet.“ Und Google dann so: „Alles klar, den kennen wir, der ist in der Kohorte zahlungs­unfähiger kinder­schändender vorbestrafter Alkoholiker, die durchs Abi gefallen und arbeitslos sind, der bekommt die Schnaps- und Zigaretten­werbung, mehr kann er eh nicht bezahlen.“

Google aber ist nun in der (meines Erachtens kartell­rechtlich problematischen) Lage, sowohl den meist­verwendeten Browser Chrome anzubieten, als auch der größte Werbe­anbieter und Nahezu-Monopolist zu sein, und das dann von zwei Seiten durch­setzen zu können.

Es heißt nun aber, dass viele, darunter „Wordpress“ (wobei nicht klar wurde, ob die Software oder der Hoster gleichen Namens) da nicht mitmachten, auch einige Browser-Hersteller nicht. Wieviel Widerstand die damit noch leisten können, ist unklar, aber selbst wenn man sich auf FLoC einlässt und die Idee, unter 5000 Menschen ähnlicher Interessenlage unterzugehen und darin dann nicht mehr identifizierbar zu sein, doch eigentlich recht gut findet, wird auch das wieder nicht voll funktionieren, weil viele Content-Management-Systeme und Browser nicht mitziehen wollen.

Das Datenschutz-Paradoxon

Das Kuriosum daran ist, dass damit der Datenschutz – auch wenn man die Vorgänge begrenzt betrachtet gut findet – letztlich die unabhängigen Blogs abwürgt. Viele Leute werden es sich nicht mehr leisten können oder den technischen und datenschutz­rechtlichen Aufwand scheuen, noch ein Blog zu betreiben.

Dabei sieht die DSGVO eigentlich ein Presse­privileg vor und sagt auch in der Präambel, dass der Datenschutz (im Gegensatz zum alten BDSG) nicht verwendet werden darf, um andere Grundrechte einzuschränken. Und dann noch die Hintertür­klausel des „berechtigten Interesses“ hat.

Damit erwürgt der Datenschutz die freie Presse, obwohl die Presse vom Datenschutz eigentlich weitgehend befreit ist.

Warum?

Juristen sei Dank.

Frau, Bild, Hoffnung

Ein Detail ist mir aufgefallen.

Man geht grundsätzlich davon aus, dass die Zukunft in Bild, Video und Ton liegt, Text nicht mehr so gefragt ist.

Deshalb will man künftig auch Werbung für Audio­formate anbieten. Ich nehme an, die meinen Podcasts.

Nun wurde nicht gesagt, wie das dann passieren solle, ob man also auch vom Webserver, über den der abgerufen wird, erst identifiziert und mit der passenden Werbung versorgt wird, das also beim Abruf dynamisch zusammen­gerührt wird, oder ob die da einmal in den Podcast mit rein­geschnitten und dann zuhörer­unabhängig Teil der Aufzeichnung ist.

Im letzteren Fall wäre man ja mit allem aus dem datenschutz­rechtlichen Schneider.

Der Punkt ist aber: Damit verschieben sich die Publikums­zusammen­setzungen. (Was ist eigentlich der Plural von Publikum? Lateinisch dekliniert müsste es Publika sein.)

Denn auch gesagt wurde, dass etwa Pinterest für ein visuelles Publikum gemacht sei, deshalb vorrangig mit Bildern statt Texten arbeite.

Bei Pinterest nun seien 70% des Publikums weiblich. 24% männlich und 6% ohne Angabe oder „benutzer­definiert“, bei denen man aber davon ausgehen könne, dass die auch fast alle weiblich sind, man also mindestens 75% weibliches Publikum habe.

Grundsätzlich also dürften die Veränderungen im Werbemarkt Druck in Richtung Bild, Video, Audio bringen und damit hin zu einem stark weiblichen Publikum mit entsprechenden inhaltlichen Verschiebungen.

Heißt…

Ich werde es nicht mehr schaffen, noch im April oder Anfang Mai eine Testversion zum Laufen zu bringen.

Das heißt, ich könnte schon, aber wüsste dann nicht, was ich an der dann wieder alles umbauen müsste.

Ich muss mich jetzt erst mal schlau machen, ob und wie das weiter­gehen kann, bevor ich da Arbeitszeit versenke.

Ich denke, dass ein wesentlicher Teil des Erfolgs meines Blogs eben darauf beruht, dass es einfach für jeden offen ist. So eine Pflicht, sich erst namentlich anzumelden und einzuloggen oder ein Abo-Modell würden wohl nicht funktionieren. Ich habe zwar auch Leser, die mir schreiben, dass sie zahlen würden, aber damit verlöre ich die wichtige Breiten­wirkung.

Eine durchaus sehr wichtige Frage, wie es in Zukunft dann noch unabhängige Medien geben kann, denn irgendwie müssen die ja finanziert werden, und man muss ja von irgendwas leben.

Besonders kritisch ist das, wenn man damit noch mehr als bisher von Google abhängig wird, während Google (siehe Youtube) da hemmungslos politische Diktate durchsetzt und jeden sperrt oder zumindest „demonetarisiert“, der politisch nicht passt.

Da muss ich mir mal überlegen, wie das weitergehen kann.

Und ich werde den Verdacht nicht los, dass das – gerade aus der Richtung Joe Biden – ein Angriff gegen die unabhängigen Solo­publizisten ist.

Hadmut Danisch: Datenschutz tötet unabhängige Medien, Ansichten eines Informatikers am 21. April 2021

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